Prolog

 
Cologne

Verfluchtes Cöln.

Ungeheuer von Stadt, das dich mit Haut und Knochen auffrisst, wenn du nicht achtgibst. Du musst wachsam bleiben, du musst strampeln und dich anstrengen, um oben auf all dem Dreck zu schwimmen. Du willst nicht zu den unzähligen Gestrandeten und Verlorenen gehören, die sich in der Dunkelheit verbergen und für Geld, etwas zu essen, eine Pfeife Opium, eine Flasche Selbstgebrannten ihre Kinder verkaufen oder einen Fremden ermorden.

Du gehörst zu denen im Licht, auch wenn das Licht düster und schmutzig ist und an den Rändern infrablau glüht. Deine Brust schmerzt. Du weißt, dass deine Lebensuhr schneller tickt als es für dich gut ist. Wie lange noch? Die Krankheit schreitet fort.

Du brauchst das, was es nur hier in Hülle und Fülle gibt: Ambrosia. Engelsblau. Das gesegnete, verfluchte Zeug, das den Husten nicht heilt, aber wenigstens erträglich macht. Und du willst keiner von denen sein, die darum betteln, ihre letzten Kröten für das Engelsblau einem gierigen Händler in den Rachen werfen zu dürfen.

Du bist der Wolf, nicht das Lamm.

Vierzig Jahre sind nicht einmal ein halbes Menschenleben und doch kann sich in nur vierzig Jahren die ganze Welt auf den Kopf drehen. Ein wenig Rost, ein Zahnrad, das aus der Führung springt. Eine Schraube, die sich lockert. Ein Herz, das zu schlagen beginnt, während ein anderes für immer schweigt.

Zu viele Herzen schwiegen nach dem großen Gau. Zu wenige erhoben ihre Stimme. Niemand kann ermessen, wo es uns hätte hinführen können, wenn die Magitroniker gewissenhafter gearbeitet hätten. Wenn die Dampfmagische Gesellschaft ihren Fokus auf das Wesentliche gerichtet  hätte, anstatt geblendet von möglichem Ruhm, gierig nach Macht und Neuerungen, die nicht ausgereift waren, die Realität zu vergessen.

Die  Quantenmagie steckte noch in den Kinderschuhen, sie hätte erst einmal laufen lernen müssen, bevor sie Æther in die Hülle ihres Luftschiffes blies und das Gefährt von einem blinden Steuermann gegen den nächsten Berg fahren ließ.

Nun sind wir klüger, allesamt, aber nicht einen Deut schlauer. Immer noch greifen Zahnräder ineinander, die zu unterschiedlichen Geräten gehören, aber niemanden scheint das zu interessieren.

Die Dampfmagische Gesellschaft hat die Gesetze zum Magiegebrauch verschärft, hat Bauernopfer zum Schafott geführt. Wenn sie wüssten, was direkt unter unseren Füßen geschieht, unter den Pflastersteinen unserer Gassen, sie würden sich das überhebliche Grinsen aus den Gesichtern  wischen wie angetrocknete Zuckerwatte.

Unterwelt. Lebensraum für diejenigen, die auf der Oberfläche nicht erwünscht sind. Ausgestoßene der Gesellschaft. Kranke, stinkende, geniale, bizarre Unterwelt.

Die Welt hat sich weiter gedreht. Die Menschen haben sich mit der Situation arrangiert. Die Straßen Cölns sind voll von Leben, doch ihr Herz schlägt tief unter den Mauern der Backsteinhäuser. Heiß und dröhnend pumpt es Öl, statt Blut durch die Adern der Stadt. Gierig und trostlos und zuverlässig wie ein Uhrwerk.